Posting vom 10. Feb. 2015

Die Muoza zerrt an der Boje, böiger Wind lehnt uns immer wieder zur Seite; Wir liegen in Sloper´s Hole, einer versteckten Bucht auf der Pirateninsel Tortola. Die liebliche Anordnung der Britischen Jungferninseln lockt ganze Charterflotten an, der Schiffsverkehr ist immens. Ebenso das Preisniveau – die Piraten sind also immer noch da. In knapp 24 Stunden waren wir von St. Martin hierher unterwegs, gefolgt von 12 Stunden Schlaf. Beim Frühstück freuen wir uns über den ersten spanischsprachigen Radiosender. Endlich, bald sind wir weg von all dem Franzenglischdeutsch, Sehnsucht keimt in uns. Gerlinde holt ein Lehrbuch für Spanisch hervor und schlägt zufällig folgendes – gekürztes – Gedicht von Antonio Machado auf:
(dt. Übersetzung weiter unten)

Caminante no hay camino

Todo pasa y todo queda,
pero lo nuestro es pasar,
pasar haciendo caminos,
caminos sobre la mar.

Caminante, son tus huellas
el camino, y nada mas;
caminante, no hay camino,
se hace camino al andar.

Al andar se hace camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante, no hay camino,
sino estelas en la mar.

Wanderer, es gibt keinen Weg

Alles geht und alles bleibt,
aber das Unsere ist es, vorbeizugehen,
vorbeizugehen und Wege zu machen,
Wege über das Meer.

Wanderer, deine Spuren sind
der Weg, und nichts mehr;
Wanderer, es gibt keinen Weg,
man macht den Weg beim Gehen.

Beim Gehen macht man denWeg,
und beim Zurückwenden des Blickes
sieht man den Pfad, den man kaum
wieder betreten wird.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
sondern Spuren im Meer.

Unser nächster Pfad führt um die US Jungferninseln und Puerto Rico herum. Vorbeigehen und Wege über das Meer machen, lautet die Devise: Die US Visabestimmungen für Einreise per Boot sind zu kompliziert, zu langwierig, zu kostspielig. Somit erwarten uns 300 Meilen auf See, eine schwierige Querung im Süden der Mona-Passage – und Besuch aus Österreich: Christine und Eva werden in der Dominikanischen Republik zusteigen und ein Stück mitsegeln. Mit uns Spuren im Meer hinterlassen – auf dem Weg, den es nicht gibt.

Kommentare

  1. Herminio Redondo García

    Na, sowas von Überraschung! Antonio Machado auf Zeitwärts. Und das zum Frühstück!
    Weiter so!

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  2. Hallo Gerlinde und Gunther, ein schönes Gedicht. Werde ich in der Saison einmal über Seefunk zum Besten geben. Ich denke, Ihr habt nichts dagegen. Weiter ALLZEIT GUTE FAHRT.

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    • Selbstverständlich darfst du das – ist aber nur eine vereinfachte Version für einen Spanisch-Kurs!
      Dir auch alles Gute und danke für den guten Support betreffend Satellitentelefonie!

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  3. Christian

    Hey ihr Weltenbummler!

    Hoffe ihr könnt vergnügterweise eure Spuren im Meer hinterlassen?! Baumeln eure Seelen, wie seid ihr gelaunt?

    Freudige Nachricht: Ab März ziehe ich wieder Spuren am Himmel! Meine kleine Mädchenschar und ich atmen tief durch und wieder gelöst auf! Freut euch mit uns!
    Und lasst es euch gut gehen, ihr verdient nichts Anderes!!

    Wir umarmen euch mit viel Wärme im Herzen,
    ChrisFloraMine

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  4. Oliver jeran

    Hallo Weltenbummler, danke für das erquickende Gedicht! Eine steife Brise bei gutem Wetter und einen tollen Töne wünsch ich euch!

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Antwort auf Reiner Dietzel

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