Wir stehen mit über 160 Kilo Gepäck am Bahnhof in München. Umsteigen nach Paris Est. Entsetzt stellen wir fest, dass im fortschrittlichen Deutschlandam Bahnhof  keine Gepäckswagen mehr existieren. Auch kein Service, der behilflich ist. Alles abgeschafft. Die deutsche Bahn will gar nicht, dass ihre Gäste Gepäck mitnehmen. Wo früher an jedem Provinzbahnhof Kassierer, Bahnhofsvorsteher, Schaffner, Gepäcksträger und kostenlose Toiletten zu finden waren, stehen heute seelenlose Automaten. Wenn überhaupt. Weit haben wir es gebracht: Service wird zum Kostenfaktor degradiert und durch nichts ersetzt. Irgendwie schaffen wir es, alle Koffer und Taschen auf einmal zum neuen Bahnsteig zu zerren. Ein weiter Weg. Menschen gaffen uns an.

Gottseidank bekommen wir ein eigenes Abteil in einem alten ÖBB-Waggon mit Platz für unser Gepäck. Im Nachbarabteil grölt ein besoffener Oktoberfestbesucher  Lieder über „Schlitzaugen“ und Schlimmeres. Wir fallen in einen tiefen Schlaf, um am Bahnhof in Paris auf einen ähnlichen Gepäcksdienst wie in Deutschland zu stoßen. Schleppen ist angesagt.

Der  kambodschanische Taxifahrer bringt uns zu einer hübschen Privatwohnung, über airbnb.com gebucht. Fein. Wir fallen ins Bett und bleiben 20 Stunden liegen, die Anstrengung der letzten Wochen schlägt voll durch.

Nächster Morgen: Taxi zum Flughafen, einchecken, los geht es. Weitere Male stellen wir fest, um wie viel freundlicher, entspannter und hilfsbereiter die Menschen in Paris sind als in München. Das tut gut. Das Flugzeug nach Martinique startet, wir sitzen 10 Stunden neben einer ununterbrochen schwer hustenden Frau. Wenn das mal gut geht.

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Antwort auf Herminio Redondo García

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